Weise mir, Herr, deinen Weg;
ich will ihn gehen in Treue zu dir.
Psalm 86,11
Liebe Leserin, lieber Leser,
was ist Stärke und was ist Schwäche? Manch ein Politiker tritt von seinem Amt zurück und keiner weiß so recht warum. Es ist zu respektieren. Doch viele nennen es Schwäche. Manch ein Politiker sitzt die Gelegenheit zurückzutreten beharrlich aus und nennt es Stärke. Doch ist es auch Stärke?
Als Landesbischöfin Käßmann von ihrem Amt zurücktrat, war es beides: Stärke und Schwäche zugleich. Schwäche, weil sie (sich und anderen) eingestehen musste, einen folgenreichen Fehler gemacht zu haben. Stärke, weil sie sich diesem Fehler gestellt hat und die entsprechenden Konsequenzen gezogen hat. In der Öffentlichkeit hat sie für diese Aufrichtigkeit viel Achtung erfahren. Und genau diese Geradlinigkeit hat ihr den Weg geebnet, nun an anderer Stelle geachtet Gehör zu finden.
"Christus sagt: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig." So lautet das biblische Leitwort für das Jahr 2012. Für mich hat as Wort zwei Dimensionen. Zunächst ermuntert es mich, anzuerkennen, dass Schwäche sein darf, dass ich schwach sein darf - und das auch so nennen darf. Es ermutigt mich, statt stets auf die Fehler der anderen auch auf meine eigenen Fehler zu blicken - und sie auch so zu nennen.
Das andere ist, ich darf auch vor Gott schwach sein, muss ihm nichts beweisen. Mit dem Wissen um meine eigene Schwäche darf ich zugleich wissen, dass Gott mich selbst stärken will.
Ich wünsche Ihnen ein gutes gesegnetes neues Jahr,
Ihr/ Euer Pfarrer Joachim Preiser